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Die Projektleiterin behält den Durchblick

Ein Beitrag von Andrea Beißner, Projektleiterin „Grünes Labor“ der Stadtbücherei Hameln

Das berühmte Zitat aus den Pippi Langstrumpf-Büchern von Astrid Lindgren steht dafür, neue Wege zu beschreiten, Neues zu wagen und auszuprobieren und sich nicht von anderen Meinungen beeinflussen zu lassen.

Mit dem Grünen Labor in der Pfortmühle hat auch die Stadtbücherei Hameln neue Wege beschritten, Neues gewagt und ist damit wohl auf dem richtigen Weg.

2019 wurde die Idee eines „Grünen Labors“ entwickelt, vorausgegangen waren Überlegungen, die Pfortmühle, ein historisches Gebäude an der Weser, in der sich die Stadtbücherei befindet, zu einem Dritten Ort zu machen. Leider gab es zu diesem Zeitpunkt nicht genügend Mittel, um sich für einen entsprechend großen Fördertopf zu bewerben. Also musste eine Idee her, um zumindest einen ersten Schritt in diese Richtung zu gehen.

Die Stadtbibliothek in der historischen Pfortmühle direkt an der Weser

Das war sozusagen die Geburtsstunde des Grünen Labors.

Das Förderprogramm „Zukunftsräume Niedersachsen“ (Zukunftsräume Niedersachsen | Nds. Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Landesentwicklung) bot schließlich die Möglichkeit, die Idee finanziell umzusetzen. Für die Antragstellung bekamen wir Unterstützung vom SCHUBZ Umweltbildungszentrum Lüneburg (@ SCHUBZ – Umweltbildungszentrum der Hansestadt Lüneburg (schubz-online.de) und konnten im Januar 2021 den Zuwendungsbescheid entgegennehmen.

Bis dahin war es eine Menge Arbeit, Brainstorming im Team und Gespräche mit möglichen zukünftigen Partner:innen.

Der etwas sperrige Projekttitel „Das Grüne Labor in der Stadtbücherei Hameln – zentraler Begegnungs- und Lernort für Umweltkultur und Nachhaltigkeit als Brücke zwischen Hameln und dem Landkreis Hameln-Pyrmont sowie darüber hinaus“ hat sich inzwischen zu einem etwas knackigeren Slogan gewandelt – „Das Grüne Labor – Erlebnisort in der Stadtbücherei Hameln & Grünes Netzwerk für Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit im Weserbergland“, enthält aber nach wie vor unsere Zielsetzungen.

Das Grüne Labor möchte ein Erlebnisort und Kommunikationsraum für alle an grünen Themen Interessierte sein, Informationen und Bildungsangebote zu Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit bieten und das mit einem möglichst großen Netzwerk im Einzugsbereich des Weserberglandes.

Inzwischen besteht das Hameler Netzwerk des Grünen Labors aus 38 Partner:innen der Stadtgesellschaft

Für die Umsetzung stehen Fördermittel in Höhe von 188.750 € zur Verfügung und der Projektzeitraum umfasst 2 Jahre (1.2.21 – 31.01.23). Corona machte uns in vielen Dingen einen Strich durch die Rechnung, so dass die Eröffnung mit Verspätung schließlich erst am 3. Mai dieses Jahres stattfand.

Bis dahin entstand aus einem rund 107 m² großen Bereich in der 2. Etage der Stadtbücherei ein völlig neu gestalteter Wohlfühlort in angenehmen Farben, wobei grün neben blau und orange natürlich vorherrscht. Grün steht für die Natur und unseren Stadtwald, blau für das Wasser der Weser und orange für den Sandstein, aus dem die Pfortmühle gebaut ist sowie auch für die Stadtgesellschaft.

In Beteiligungsprozessen mit den ersten 24 Partner:innen, die sehr an einer Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei und dem Grünen Labor interessiert waren, ermittelten wir Wünsche, Anregungen und Ideen, was die Gestaltung und Ausstattung des Raumes sowie die inhaltliche Ausrichtung und Umsetzung anging.

Die räumliche Gestaltung wurde mit Unterstützung eines Gestalterbüros und einer Innenarchitektin umgesetzt, bei der inhaltlichen Umsetzung, der Kommunikationsstrategie und der Veranstaltungsplanung unterstützt uns das SCHUBZ Umweltbildungszentrum.

Bei der inhaltlichen Umsetzung greift das Grüne Labor möglichst vielfältige Themen zur Bildung einer nachhaltigen Entwicklung (BNE) auf.

Besonders im Fokus stehen vier der 17 Ziele der Agenda 2030:

Außerdem bietet das Grüne Labor niederschwellige Angebote im Rahmen des BiNaBi-Moduls (Bildung für Nachhaltige Entwicklung) der Büchereizentrale Niedersachsen an, eine Saatgutbibliothek, Kamishibais und Bilderbuchkino, Angebote zu „grünen“ Themen durch unsere Netzwerkpartner*Innen sowie Vorträge, Workshops, Live-Streams, Ausstellungen, Schülerpräsentationen und Multiplikatorenworkshops.

Es wird ausprobiert, getestet und mitunter auch mal festgestellt, dass sich ein Format ggfs nicht zur Umsetzung im Grünen Labor eignet. Wir und unsere inzwischen 38 Netzwerkpartner:innen (u.a. BUND, Kreisgruppe HM-P.; NABU, Kreisgruppe HM-P.; Naturpark Weserbergland; WPZ Weserbergland; Jägerschaft, Kreisgruppe HM-P.; Hochschule Weserbergland; Klimaschutzagentur Weserbergland; Förderverein Terra Preta; 3 Gymnasien u.v.m.) lernen mit jedem Angebot, jeder Umsetzung, jedem Austausch dazu und werden bei zukünftigen Netzwerktreffen an weiteren gemeinsamen Aktionen für die Zukunft arbeiten. Es ist eine große Herausforderung, ein großer Arbeitsaufwand aber eine Form der Zusammenarbeit, die gerade jetzt wichtiger denn je ist.

Das symbolische Netzwerk der Partner und Partnerinnen des Grünen Labors

Kontakt:

Andrea Beißner, Projektleitung Grünes Labor in der Stadtbücherei Hameln, Grünes Labor, Sudetenstr. 1, 31785 Hameln, andrea.beissner@hameln.de, Tel. 05151-202-1620

Informationen zur Stadtbücherei Hameln:

Startseite – Hameln

Informationen zum Grünen Labor:

www.grueneslaborweserbergland.de

Beiträge zum Grünen Labor:

Das „Grüne Labor“ in der Stadtbücherei Hameln (projektnetzwerk-niedersachsen.de)

Grünes Labor der Stadtbücherei Hameln feierlich eröffnet | Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser (niedersachsen.de)

Grünes Labor eröffnet in der Stadtbücherei Hameln » Hameln

Ein Beitrag von Martin Renz, Leiter der Stadtteilbibliothek Bremen-Vegesack

Die Zweigstelle der Stadtbibliothek Bremen im Stadtteil Vegesack profiliert sich unter anderem mit dem Thema Nachhaltigkeit. Martin Renz, Leiter der Stadtteilbibliothek Vegesack, erklärt wie es dazu kam:

„Anfang 2020 ereilte mein Team und mich dasselbe Schicksal wie andere öffentliche Bibliotheken auch: Aufgrund der Pandemie stand die Welt plötzlich Kopf und mit ihr die Arbeit in der Bibliothek. Small Talk mit den Lieblingskund:innen, Veranstaltungen im und außer Haus – viele Dinge, die den Arbeitsalltag meines Teams bisher ausmachten und auch für mein berufliches Selbstverständnis essentiell waren, fielen auf einmal weg. Was mir blieb, war zunächst einmal meine Rolle als Führungskraft – und plötzlich ganz viel Freiraum, der es zuließ, Dinge einmal anders zu denken: Wenn die ganze Welt sich gerade ändert, machst du als Chef dann weiterhin „business as usual“? Da geht doch bestimmt noch mehr…

Nachhaltigkeit
Foo

In dieser Ausgangslage begegnete mir das Konzept von „New Work“. Zugegebenermaßen war New Work bis zu dieser Zeit kaum mehr als ein Buzzword für mich: irgendwas mit Tischkicker und Obstkorb, alle duzen sich und machen, was sie wollen – dachte ich jedenfalls. Bis ich erfuhr, dass sich hinter New Work eigentlich etwas ganz Anderes verbirgt. Geprägt hat den Begriff der Philosoph Frithjof Bergmann, dem es bei New Work um die Frage ging, wie das System Arbeit so transformiert werden kann, dass es Menschen in die Lage versetzt, mit ihrer Arbeit das zu tun, was sie „wirklich, wirklich wollen“. Das fand ich schon mal deutlich interessanter als den Tischkicker. Und bin dann eines Tages im Podcast „On The Way To New Work“ auf eine Variante dieser Fragestellung gestoßen, die für mich gewissermaßen die Initialzündung darstellte:

Wie kann Arbeit zu etwas werden, das Menschen stärkt anstatt sie zu schwächen?

Oder konkret: Wie können wir unsere tägliche Arbeit in der Bibliothek so gestalten, dass wir Energie aus ihr schöpfen anstatt immer wieder Energie in sie hineinzustecken, die wir uns woanders herholen müssen?

Relativ schnell war klar: Wenn das unser Ziel sein soll, dann brauchen wir – neben einer ganzen Reihe anderer Dinge – „purpose“, also Klarheit über das Warum und Wozu unseres Tuns, über das, was uns antreibt, über den Sinn und Zweck unserer Einrichtung als Bibliothek im Stadtteil Vegesack, eine Vision davon, wohin wir eigentlich wollen. Diese Vision haben wir als Team gemeinsam erarbeitet. Los ging es mit einer Hausaufgabe. Ich habe meine Kolleginnen gebeten, sich zu Hause mal ganz in Ruhe eine halbe Stunde Zeit zum Nachdenken über die Arbeit zu nehmen und ihre ganz persönliche Antwort auf die folgenden Fragen zu finden:

Warum machen Sie diesen Job? Was ist es, das Sie jeden Morgen aufstehen und den Weg in dieses Haus antreten lässt? Was ist für Sie der Daseinszweck dieser Bibliothek? Welches Image soll diese Bibliothek haben? Für welche Werte wollen wir stehen? Und was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Dinge, die diese Bibliothek ihren Nutzer:innen bieten kann?

Wie gesagt, mit Antworten auf diese Fragen allein war es nicht getan. Vielmehr scheint sich hier eine neue Daueraufgabe aufgetan zu haben, scheint auf dem Weg zu einem „neuen Arbeiten“ der Weg das Ziel zu sein. Fürs Erste galt es, noch viel mehr Dinge kritisch auf ihre Sinnhaftigkeit zu durchleuchten und gegebenenfalls komplett auf links zu krempeln, neue Formen der Kommunikation zu suchen und zu etablieren, auch neue Wege der Entscheidungsfindung und Beteiligung zu beschreiten. Der Austausch über die eben genannten Fragen erwies sich als erster Schritt auf diesem Weg jedoch als ungeheuer wertvoll und bildete in meinen Augen so etwas wie einen Kickstart für mein Team und mich: Mit einem Mal wurden Energien freigesetzt und die Motivation potenzierte sich. Was letztlich auch dazu führte, das sich unsere Nutzer:innen über eine ganze Reihe von Innovationen freuen dürfen:

Inzwischen ist die Brachfläche hinter dem Haus zum Bibliotheksgarten geworden, in dem ganz niedrigschwellige Angebote zur ökologischen Bildung mit dem BUND und der Volkshochschule stattfinden und in dem unsere Bibo-Bienchen für Bibliothekshonig sorgen. Es gibt ein Tauschregal für Alltagsdinge, die zu schade sind zum Wegwerfen, und eine Saatgutbibliothek. Ganz neue Veranstaltungsformate werden angedacht und umgesetzt. Ein Beispiel dafür ist der Nachhaltigkeitsnachmittag, bei dem die Bibliothek Start- und Zielpunkt für eine Stadtteil-Aufräumaktion mit „Clean Up Your City“ war. Im Anschluss daran luden die Ehrenamtlichen vom Foodsharing zum Picknick im Bibliotheksgarten ein, danach veranstalteten die Aktivist:innen von Climactivity ein Klimaquiz und eine Kleidertauschbörse gab es noch obendrein.

Auf einmal war da also die Nachhaltigkeit, und zwar nicht mehr nur als Hintergrundrauschen, sondern als ein zentrales, sichtbares Thema. Die Bibliothek wird grün, das Netzwerk größer und das Angebot für unsere Nutzer:innen noch ein Stück weit bunter. Und das Beste daran: Diese Dinge geschehen nicht, weil jemand sie angeordnet hat. Sondern weil in dieser Bibliothek Menschen arbeiten, die diese Dinge als etwas identifiziert haben, das sie wachsen lässt, aus dem sie Kraft schöpfen und die diese Dinge „wirklich, wirklich wollen“.“

Den gleichnamigen Vortrag des diesjährigen Bibliothekskongresses finden Sie hier:

https://opus4.kobv.de/opus4-bib-info/frontdoor/index/index/docId/18003

Die illumunierte Stadtbibliothek Paderborn

Ein Beitrag von Katrin Stroth, Leiterin der Stadtbibliothek Paderborn

Die Stadtbibliothek Paderborn wurde im Oktober als „Bibliothek des Jahres 2021“ ausgezeichnet. Es handelt sich dabei um den einzigen nationalen Bibliothekspreis in Deutschland und wird gemeinsam vom Deutschen Bibliotheksverband (DBV) und der Deutschen Telekom Stiftung vergeben, um vorbildliche und innovative Bibliothekskonzepte in der digitalen Welt zu würdigen. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.

Die Stadtbibliothek Paderborn ist in einem historischen Gebäude in der Altstadt untergebracht

Gewürdigt wurde die Stadtbibliothek Paderborn für ihre zukunftsorientierte Bibliotheksarbeit. Sie vereint Digitalität, Nachhaltigkeit, Innovation und Kooperation, teilt der DBV mit. „Seit Jahren beweist die Bibliothek immer wieder, wie schnell und flexibel sie auf die Bedarfe der Nutzer*innen aller Generationen eingeht“, erklärt Petra Büning vom Vorstand des DBV. Für die Telekom-Stiftung hob Thomas de Maizière die Angebote der Bibliothek für Kinder und Jugendliche in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik hervor.

Doch: Was heißt das konkret?

Während der Corona-Schließzeit zeigte die Stadtbibliothek Paderborn ihr ganzes kreatives und digitales Potential. Innerhalb von Stunden ist eine Vielzahl von digitalen Zusatzprodukten entstanden. Kommuniziert wurde dabei intensiv über die bestehenden Social-Media-Kanäle und den Internetauftritt der Stadtbibliothek Paderborn. Fast alles, was sonst in der Bibliothek angeboten wurde, konnte in der Schließzeit auf digitalem Weg oder auch „Click & Collect“ angeboten werden.

Bei den MINT-Angeboten startet die Bibliothek ihre Angebote schon ab dem Kindergartenalter und hält natürlich auch Angebote für Erwachsene vor. Anspruch der Stadtbibliothek Paderborn ist es, in allen gesellschaftlich relevanten Bereichen digitale und technische Angebote zu machen und das nötige Know-How zu vermitteln. Neben Workshops und offenen Schnupperstunden gibt es auch die Möglichkeit, in der „Bibliothek der Dinge“ Geräte auszuleihen.

Die Schaffung von Barrierefreiheit steht ebenfalls auf der Agenda der Bibliothek; dies umfasst z.B. auch Gamingformate. Für Menschen mit einer visuellen, auditiven, kognitiven, motorischen und/oder sprachlichen Einschränkung sind die Hürden im Bereich Gaming oft noch sehr groß. Besonderes Zubehör (z.b. Eye-Tracker oder adaptive Controller) ermöglicht jetzt im Gaming-Raum Angebote für alle Interessierte.

Bei der Umsetzung der Ziele einer „Green Library“ spielt Technik in Paderborn ebenfalls eine Rolle. So wird die Zentralbibliothek seit Gründung im Jahr 1977 mit Paderwasser (Wasser aus dem Fluss Pader) geheizt und gekühlt.

An allen Bibliotheksstandorten finden Workshops zum Thema Nachhaltigkeit statt. Im „Lerncafe“ gibt es fair-gehandelte Getränke und Schokoriegel. Eine Foodsharinggemeinschaft bietet gerettete Lebensmittel in einem „Fairteiler“ an. So befinden sich Regale mit Medien zur Ausleihe direkt neben den Aufbewahrungskisten und ein Kühlschrank rundet das Angebot ab. Das Dauerangebot lebt vom Geben und Nehmen.

Die Einbeziehung der Kund*innen spielt immer auch eine große Rolle in der Stadtbibliothek Paderborn. Für die Neugestaltung der „Open Library“, die im Sommer 2023 eröffnet werden soll, gibt es Bürger*innenbeteiligungsprozesse. Kund*innen und Kooperationspartner*innen können dabei aktiv mitwirken – bei den Angeboten und bei der Einrichtung der Bibliothek.

Das Preisgeld wird demzufolge auch dafür eingesetzt, neue Möbel für den „Lesegarten“ und die Kinderbibliothek anzuschaffen, mit Pflanzen die Bibliothek noch grüner zu machen und Teambuildingsmaßnahmen durchzuführen.

Lange Nacht des wissenschaftlichen Schreibens der Bauhaus-Universität Weimar

Welche Strategien und Werkzeuge helfen dabei, umweltfreundlicher zu arbeiten? Welche Initiativen und Forschungsprojekte setzen sich für Nachhaltigkeit beim Recherchieren, Schreiben und Publizieren ein? Und wie wird eine Bibliothek ökologischer? Unter dem Motto »writing for future« will die 8. Lange Nacht des wissenschaftlichen Schreibens der Bauhaus-Universität Weimar am 23. Juni 2022 von 18 bis 24 Uhr das Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit im Schreib- und Forschungsalltag stärken. Über 20 verschiedene deutsch- und englischsprachige Angebote laden vor Ort und online zum Informieren, Ausprobieren und Diskutieren ein.

Nach der Eröffnung durch den Vizepräsidenten für Studium und Lehre, Prof. Dr. Christian Koch, nimmt die Autorin Theresa Hannig das Publikum im Audimax und im Livestream mit auf eine Reise in eine Welt ohne Nationalstaaten, ohne Machtkonzentration und ohne Kampf um Ressourcen. Die »Writers For Future«-Aktivistin liest live aus ihrem 2022 erschienenen Utopie-Roman »Pantopia«, der von einer überraschend erfolgreichen neuen Weltrepublik mit gleichen Rechten für alle erzählt. Im anschließenden Gespräch mit Dr. Katrin Richter, Universitätsbibliothek, spricht die Autorin über Zukunftsperspektiven und die Initiative »Writers For Future«. Es kann live vor Ort oder über einen Publikumschat mitdiskutiert werden.

Mit Stefanie Rückert konnte in Kooperation mit den »Writers For Future« und der Klimabuchmesse Leipzig eine weitere Botschafterin für Nachhaltigkeit gewonnen werden. In ihrem kreativen Schreibworkshop kreiert sie gemeinsam mit Gleichgesinnten positive Geschichten über den Alltag in einer klimagerechten Zukunft.

Eine Nachhaltigkeitswerkstatt, ein Kurzfilmprogramm aus der Fakultät Kunst und Gestaltung sowie eine Ausstellung zu nachhaltigen Projekten und Forschungsarbeiten Studierender, Promovierender und Alumni runden das themenspezifische Angebot ab.

Auch das wissenschaftliche Schreiben in all seinen Facetten kommt nicht zu kurz. Ein deutschsprachiger Workshop des Schreibzentrums der Friedrich-Schiller-Universität Jena vermittelt Strategien und Techniken für den gesamten Schreibprozess und zeigt auf, wie nachhaltiges Lesen und Schreiben im Studium und in der Promotion gelingen kann. Vor dem Workshop geben die jungen Tutor*innen außerdem in der offenen Schreibberatung Tipps und Tricks zu allen Aspekten des wissenschaftlichen Schreibens.

In einer Gesprächsrunde diskutieren Vertreter*innen der Universitätsbibliothek, verschiedener studentischer Initiativen und akademische Mitarbeiter*innen, die sich mit der stärkeren Sichtbarkeit von queerfeministischen und postkolonialistischen Themen und Literatur über den Nationalsozialismus befassen, über die »Ordnungen des Wissens« in Bibliotheken und wie mit neuen Themen sowie Fragestellungen umgegangen werden kann. Dabei sollen auch die Initiativen und ihre Anliegen vorgestellt werden, die u.a. die Geschichte der Gebäude in der Marienstraße 13/15 und Bauhausstraße 11 im Nationalsozialismus erforschen.

Zwei weitere Angebote rücken wiederum das Lesen in den Fokus. Dr. Simon Frisch, Dozentur Bereich Film- und Medienwissenschaft, und Dr. Sebastian Lederle, Professur Philosophie audiovisueller Medien, tauschen sich im offenen Dialog über das Lesen als Praxis, als Kulturtechnik und als Lebensweise aus. In der Lesung »Open Mic« tragen Studierende und Alumni der Bauhaus-Universität Weimar anschließend ihre literarischen Textprojekte erstmals vor.

Im Late-Night-Workshop »Our writing spaces collaborate on our thoughts« mit Celina Berghaus, Bereich Europäische Medienkultur, werden wiederum die Produktionsumgebungen wissenschaftlicher Texte genauer betrachtet und deren Einfluss auf Gedanken, Konzentration und das Schreiben nachgezeichnet.

Mit sieben deutsch- und englischsprachigen Miniworkshops zur Nutzung von Übersetzungsprogrammen, der Erstellung barrierefreier Dokumente, zur Komma-Setzung im Englischen, zum Recherchieren in unterschiedlichen Fächern und zur Langzeitdokumentation digitaler Daten sowie Infoständen, u.a. zu studentischen Publikationsprojekten und dem LUCIA-Verlag, gibt es viele weitere Möglichkeiten zum Informieren und Austauschen.

Schließlich zeigen Nachwuchswissenschaftler*innen aus ganz Thüringen in der Posterausstellung »Transformation«, wie ihre Forschung dazu beiträgt, einen Wandel hin zu einer nachhaltig denkenden und handelnden Gesellschaft zu schaffen. Die gezeigten Poster sind Teil des Nachwuchswettbewerbs der Bauhaus Research School in Kooperation mit der Thüringer Allianz für Ingenieurwissenschaften. Auch hier ist das Publikum aktiv gefragt: es kann online für das beste Poster abstimmen. Der zweite Wettbewerbsteil – die Live Elevator Pitches – finden in der darauffolgenden Woche zum Tag der Ingenieurwissenschaften am 29. Juni 2022 an der Bauhaus-Universität Weimar statt.

Die Teilnahme an allen Angeboten zur Langen Nacht des wissenschaftlichen Schreibens ist kostenfrei. Aufgrund der begrenzten Plätze wird eine Anmeldung für die Workshops empfohlen. Das gesamte Programm sowie Informationen zur Anmeldung finden Sie unter: www.uni-weimar.de/lange-nacht

Lange Nacht des wissenschaftlichen Schreibens
23. Juni 2022 | 18:00 bis 24:00 Uhr
Universitätsbibliothek der Bauhaus-Universität Weimar

Steubenstraße 6, 99423 Weimar

Text: Dr. Franziska Matthes, Bauhaus-Universität Weimar,
Fotos: Henry Sowinski.

Bessere Services durch Teilen und Tauschen? Der Handel macht es uns vor. Kennzeichen der Ökonomie des Teilens ist die gemeinsame Nutzung von Ressourcen. „Eigentum“ – im weitesten Sinne – wird geteilt. Dies können Gegenstände, Räume, Ideen oder Wissen sein. Damit bietet Teilen ungeahnte Möglichkeiten zur Verbesserung von Services – auch in Bibliotheken.

Teilen und Tauschen liegen im Trend. Laut PWC-Studie möchten rund zwei Drittel der Deutschen Produkte oder Dienstleistungen teilen oder auch leihen. Und Immerhin 46% der Bevölkerung haben ein solches Angebot schon einmal genutzt, fast zwei Drittel planen, es in den nächsten zwei Jahren zu nutzen [1].  Das Motto, das dahinter steht lautet: „Nicht jeder muss alles besitzen, aber durch Serviceleistungen und kollaborative Angebote kann […] [das Leben] flexibler gestaltet werden.“ [2] Geschäftsmodelle des Teilens gibt es schon seit jeher: den Lesezirkel, die landwirtschaftlichen Genossenschaften, die Autovermietung etc. und letztendlich auch die Bibliotheken. Aber warum ist gerade jetzt ein Trend daraus entstanden, dem sogar der Begriff der Ökonomie zugeteilt wird?

Bibliotheken teilen seit jeher, sie sind somit Teil der Ökonomie des Teilens, doch wenn von der Ökonomie des Teilens oder Shareconomy die Rede ist, spricht (fast) niemand von Bibliotheken. Warum? Neue Technologien haben neue Geschäftsmodelle ermöglicht, wie sie z.B. Airbnb oder UBER entwickelt haben. Das Teilen geht schneller, die Verbreitung ist immens, und die Koordination ist viel einfacher geworden. In der Kombination von Big Data, Cloud Computing, Sensoren und GPS-Systemen werden reale und virtuelle Welt zusammengeführt. Die gesammelten Daten ermöglichen es dann, freie Ressourcen real-time und passgenau den Kunden anzubieten. Das ist das eigentlich Neue und Faszinierende.

Bibliotheken wenden bislang weitestgehend eher klassische Geschäftsmodelle an: und wenn sie jetzt dazu übergehen, auch Akku-Bohrer, Energiemessgeräte etc. auszuleihen, so ist das nichts Neues. Bibliotheken sollten daher einen Schritt weitergehen, wenn sie als aktiver Partner der Ökonomie des Teilens wahrgenommen werden wollen / sollen. Und einige Bibliotheken machen es bereits vor: die Stadtbibliothek München bietet Sprachtandems an, in denen die Partner ihre jeweiligen Fremdsprachenkenntnisse vertiefen, zudem können Menschen „ausgeliehen“ werden und zu einem ungewöhnlichen Beruf oder dem Herkunftsland befragt werden [3].  In den Makerspace-Workshops der Stadtbibliothek Köln lernen die Teilnehmer voneinander. Auch das ist Ökonomie des Teilens, bei der sich Bibliotheken aber gegenüber der Kommerzialisierung des Tauschens und Teilens profilieren können.

Und Bibliotheken haben noch viel mehr zu bieten, z.B. Räume, Beratungskompetenzen etc.
Bibliotheken müssen darauf achten, dass ihnen nicht ein weiteres Feld, das sie eigentlich seit jeher besetzen, abhandenkommt, so wie dies z.B. im Bereich der Personalisierung geschehen ist. Bibliotheken tun vieles, aber sie reden nicht darüber, und sie passen sich nicht oder häufig zu spät den Trends ihrer (neuen) Wettbewerber an. Jetzt haben sie noch die Chance, mit an Bord des Zuges zu bleiben.


[1] Vgl. PWC (2015): Teilen und Tauschen liegen im Trend: Jeder zweite Deutsche nutzt Share Economy. 29.06.2015. URL: http://www.pwc.de/de/pressemitteilungen/2015/handels-und-konsumgueterbranche-starker-wertzuwachs-durch-onlinehandel.html
[2] Schreglmann, B. (2013). Flexible Zukunft des Wohnens. In Salzburger Nachrichten, 09.03.2013. URL: http://www.salzburg.com/nachrichten/rubriken/besteimmobilien/immobilien-nachrichten/sn/artikel/flexible-zukunft-des-wohnens-50345/
[3] Vgl. Detlefs, B. (2016). Bibliotheken als Sharing-Partner. Alles andere als altmodisch. Goethe-Institut, April 2016. URL: https://www.goethe.de/de/kul/bib/20734038.html