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Wie können Bibliotheken Orte werden, an denen sich wirklich alle Menschen willkommen fühlen? Welche Rolle spielen sie für Demokratie und in der Gesellschaft? Und was sollten wir ganz konkret in unseren Einrichtungen gestalten?
Mit diesen Fragen beschäftigten sich gleich mehrere Veranstaltungen auf dem Bibliothekskongress BiblioCon Ende Mai diesen Jahres in Berlin – und sie machten deutlich: Bibliotheken sind Begegnungsorte, demokratische Räume und wichtige Anker.
Gemeinsam Lösungen entwickeln – im Hands-on Lab
Den Auftakt bildete unser Hands-on-Lab „Eingang frei! Inklusive Wege in die Bibliothek gestalten“ im Rahmen einer positiven Willkommenskultur in Bibliotheken. Gemeinsam mit den Teilnehmenden wurden konkrete Ideen entwickelt, wie Eingangsbereiche noch einladender, barrierefreier und nutzerorientierter gestaltet werden können. Die Expertise brachten die Kolleginnen von UKW Innenarchitekten ein, die bereits Erfahrungen mit einer Vielzahl von Bibliotheken haben
Die Ergebnisse sowie Erfahrungen und Anregungen dokumentiert die gleichnamige Aufnahme in unserer Online-Reihe „Inklusion in Bibliotheken“ ein. Wer nicht dabei sein konnte oder die Inhalte noch einmal vertiefen möchte, findet die Aufzeichnungen hier: https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/bibliothek/inklusive-bibliotheken/veranstaltungsreihe
Offene Türen, starke Strukturen: Bundespolitik im Dialog mit Bibliotheken
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Bibliotheken als Orte der Gemeinschaft. Das wurde in der Veranstaltung des dbv eindrucksvoll deutlich. Im Mittelpunkt stand die Frage, welchen Beitrag Bibliotheken gegen Einsamkeit leisten können.
Neben der Vorstellung der bundepolitischen Strategie gegen Einsamkeit zeigten die vielfältigen Praxisbeispiele vor allem, wie offen der eigene Beitrag sein kann: von Shared Reading, Erzählcafés und Buchclubs über generationenübergreifende Begegnungsformate bis hin zu mobilen Bibliotheksangeboten für Menschen, die nicht selbst in die Bibliothek kommen können. Allen Angeboten gemeinsam ist ein niedrigschwelliger Ansatz: Bibliotheken schaffen kostenfreie, konsumfreie Räume, in denen Begegnung, Austausch und Teilhabe möglich werden.
Da Einsamkeit meist unsichtbar ist, sind eine gelebte Willkommenskultur, gut geschulte Mitarbeitende und die Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen sind umso wichtiger. Bibliotheken können Einsamkeit nicht allein lösen – sie können aber einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, Menschen miteinander zu verbinden und Gemeinschaft zu stärken. Dafür braucht es Kooperationen, Engagement und den Mut, neue Formate auszuprobieren.
Willkommenskultur beginnt an der Eingangstür
Ein besonderes Highlight war für uns die Podiumsdiskussion „Willkommen – Ein Gastgeber ist mehr als nur ein Türöffner!“ Das große Interesse zeigte, wie aktuell das Thema Willkommenskultur inzwischen ist.
Die Diskussion machte deutlich, dass Willkommenskultur weit über Freundlichkeit hinausgeht. Sie beginnt bereits vor dem Gebäude und setzt sich im gesamten Besuchserlebnis fort.
Einige Gedanken, die besonders nachwirkten:
- Der Eingang entscheidet über den ersten Eindruck – der Ausgang darüber, ob Menschen wiederkommen möchten.
- Räume müssen Orientierung geben und Sicherheit vermitteln.
- Menschen brauchen Ansprechpartner*innen auf Augenhöhe.
- Eine gute Servicekultur entsteht nicht durch möglichst viele Regeln, sondern durch eine gemeinsame Haltung.
- Mitarbeitende können nur willkommen heißen, wenn sie sich selbst unterstützt und wertgeschätzt fühlen.
Besonders spannend war der vorgestellte Service-Kompass der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Statt umfangreicher Regelwerke setzt er auf gemeinsam entwickelte Werte und eine gelebte Servicephilosophie. Nicht Vorschriften stehen im Mittelpunkt, sondern die Frage: Wie möchten wir Menschen begegnen?
Auch die Erkenntnisse aus Forschung und Psychologie unterstrichen diesen Ansatz. Menschen wünschen sich Orientierung, Zugehörigkeit, Wertschätzung und Sicherheit. Wer diese Grundbedürfnisse ernst nimmt, schafft Bibliotheken, in denen sich Besucher*innen willkommen fühlen – unabhängig von Alter, Herkunft oder individuellen Voraussetzungen.
Unser Fazit
Ob Willkommenskultur, Demokratie oder Einsamkeit – alle drei Veranstaltungen führten letztlich zu derselben Erkenntnis:
Bibliotheken sind Orte für Menschen von Menschen.
Sie schaffen Teilhabe, ermöglichen Begegnungen und stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Entscheidend sind dabei oft nicht große Bauprojekte oder neue Angebote, sondern die vielen kleinen Momente im Alltag: eine verständliche Orientierung, ein freundliches Gespräch, ein Raum zum Ankommen oder einfach das Gefühl, gesehen zu werden.
Diese Impulse nehmen wir mit – und freuen uns darauf, sie gemeinsam mit Bibliotheken weiterzuentwickeln.
Wie vielfältig kann ein „Willkommen“ eigentlich sein? Wie entsteht eine inklusive Eingangssituation? Welche Rolle spielen Größe, Struktur, Standort und Zielgruppe? Welche Standards und Regeln gibt es, und wie lassen sich praktische Herausforderungen meistern?
In gleich zwei Veranstaltungen während der BiblioCon (mehr dazu unter https://2026.bibliocon.de/26) vom 19. bis 22. Mai in Berlin widmen wir uns diesem Themenfeld.
Im Hands-on Lab am Dienstag, 19. Mai, 16 bis 18 Uhr, nähern wir uns den Fragen praxisnah: Die Teilnehmenden gestalten unterschiedliche Eingangssituationen auf Basis realer Grundrisse und probieren eigenständig verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten aus. Dabei richten wir den Blick auf die Menschen, die diese Räume nutzen: Welche
Zielgruppen lassen sich definieren? Wie erleben sie die ersten Schritte in die Bibliothek? Welche Barrieren begegnen ihnen – sichtbar und unsichtbar – und wie können sie abgebaut werden?
Expertinnen der UKW Innenarchitekten bringen ihre langjährige Erfahrung im Bibliotheksbau ein und geben den Teilnehmenden aus gestalterischer Sicht wertvolle Impulse.
Die Podiumsdiskussion am Freitag, 22. Mai, 09 bis 11:30 Uhr zeigt unter dem Titel „Der erste Eindruck zählt, der letzte Eindruck bleibt“ auf, wie Willkommenskultur gestaltet werden kann. Wie bestimmen Raum und Haltung den Alltag in Bibliotheken? – In Bibliotheken geht es jeden Tag um Menschen – Gäste, Nutzerinnen, Teams. Um Gäste nachhaltig zu begeistern, braucht es mehr als gute Öffnungszeiten und Fachwissen. Verschiedene Akteurinnen und Akteure bringen ihre Ansichten mit. Dabei sind u. a. Madeleine Beil von der Agentur für Identität und Identifikation, sie geht auf die Aspekte Hospitality-Orientierung, personalisierte Ansprache und psychologisches Verständnis ein, während Kima Farah Giuliani den Service-Kompass der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) vorstellt. Das in 2021 partizipativ entwickelte Instrument aus dem Bereich des Kundenservice werden Haltung und Werte als zentrale Treiber des täglichen Gästekontakts eingesetzt.
Die Veranstaltung der Kommission Kundenorientierte und inklusive Services wird von Heidi Best moderiert.
Dienstag | 19.05. 16 – 18 Uhr
Hands-on Lab „Eingang frei! Inklusive Wege in die Bibliothek“
https://bibliocon2026.abstractserver.com/program/#/details/sessions/171
(Voranmeldung nötig, die Plätze sind begrenzt)
Freitag | 22.05. 9:00 – 11:30
Podiumsdiskussion „Der erste Eindruck zählt, der letzte Eindruck bleibt! Willkommenskultur in Bibliotheken leben“
https://bibliocon2026.abstractserver.com/program/#/details/sessions/308
Foto: Jens Kirchner
Im Rahmen der Kommissionsarbeit liegt uns derzeit ein Thema ganz besonders am Herzen.
Wir möchten uns gern der „Willkommenskultur“ widmen. Diese ist sehr weit gefasst, daher fragen wir Sie:
Welche Gedanken, Erfahrungen, Ideen und Wünsche haben Sie in Ihrer Bibliothek zum Thema „Willkommenskultur“?
Dieser Open Call dient zum Einfangen eines aktuellen Stimmungsbildes und für unsere weitere interne Kommissionsarbeit.
Wir freuen uns sehr auf Ihre Nachrichten bis zum 15. April 2025 an bibliotheksservices@bibliotheksverband.de.
Vielen Dank und mit besten Grüßen
Heidi Best, Belinda Jopp und Jan-Christian Sangkuhl
im Namen der dbv-Kommission „Kundenorientierte und inklusive Services“
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