Auf der BiblioCon im Mai dieses Jahres sprach Kristina Brüns, UKW Innenarchitekten PartGmbB, über das Thema „Willkommenskultur in Bibliotheken leben“. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Bibliotheken möglichst vielen Menschen das Gefühl geben können, willkommen zu sein. Dabei interessierte sie besonders, welchen Beitrag die Gestaltung dazu leisten kann, dass Menschen sich eingeladen fühlen und gerne wiederkommen.
Ihre Botschaft: Der Weg in eine Bibliothek beginnt nicht erst an der Eingangstür. Er beginnt im Stadtraum, auf dem Campus oder bereits im digitalen Raum. Als öffentliches Gebäude sollte eine Bibliothek sichtbar, leicht auffindbar und selbstverständlich in ihren Kontext eingebunden sein. Schon vor der Eingangstür entscheidet sich schließlich: Gehe ich hinein? Willkommenskultur beginnt also lange bevor jemand die Besucher*innen begrüßt. Denn zuerst spricht der Raum. Er kann einladen oder ausgrenzen, Orientierung geben oder verunsichern. Er vermittelt eine Haltung und beeinflusst, ob Menschen sich angesprochen fühlen. In ihrem Vortrag ging es um Inklusion, physische und psychische Barrieren sowie um Orientierung und intuitive Nutzbarkeit. Ein Aspekt blieb dabei nur angerissen: die Bedeutung von Identität.
Bibliotheken repräsentieren heute weit mehr als sich selbst. Eine Stadtbibliothek steht für ihre Stadt, eine Hochschulbibliothek für ihre Institution, eine Stadtteilbibliothek für ihr Quartier. Menschen fühlen sich dort willkommen, wo ein Ort eine erkennbare Identität besitzt, mit der sie sich verbinden können.
Diese Identität entsteht nicht durch die Übersetzung von Logos oder Corporate Design in den Raum, sondern viel subtiler – durch Maßstab, Licht, Materialien und Farben. Jede gestalterische Entscheidung transportiert Haltung und sollte mit Bedacht getroffen werden. Authentische Materialien erzählen ihre eigene Geschichte. Sie dürfen altern, Gebrauchsspuren zeigen und Patina entwickeln. Bibliotheken sind Orte, an denen Leben stattfindet – und das darf sichtbar sein. Vielleicht regt genau das unsere Fantasie an: Wer saß hier vor mir? Was hat diesen Menschen beschäftigt? Räume erzählen Geschichten – so oder so. Auch das schafft Identifikation.
Genau hier schloss sich für die Referentin auch der Kreis zu den anderen Vorträgen: Ob First-Generation-Studierende, die in der Bibliothek einen identitätsstiftenden Ort finden, die Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der Nutzenden oder ein Servicekompass für Mitarbeitende – immer ging es letztlich um dieselbe Frage: Wofür steht eine Bibliothek?
Willkommenskultur entsteht dort, wo Identifikation möglich wird. Wer sich mit einem Ort identifizieren kann, fühlt sich willkommen. Architektur und Innenarchitektur können diese Identität räumlich erlebbar machen – durch Atmosphäre, Orientierung und Materialität aber auch dadurch, dass z.B. in Szenarien gedacht wird und die Bedürfnisse der Nutzer*innen einfließen.
Bibliotheken sind Orte der Bildung, der Demokratie und der Öffentlichkeit. Sie sind die „Wohnzimmer unserer Städte“ – und genau das sollte ihre Gestaltung widerspiegeln.

Grafik: Stephanie Zehrt | SBB-PK CC BY-NC-SA 3.0